Wetzel, Michael

Michael Wetzel (Universität Bonn)

Der Raum – die Stadt – die Kultur:
Inframediale Schauplätze der Gemeinschaft

Mein Ansatz ist geprägt durch das Konzept des „inframince“ von Duchamp, das eine besondere Aufmerksamkeit für hauchdünne Zwischenräume/-welten/-zeiten fordert. Besonders wichtig ist dabei die von Bergson betonte vierdimensionale „durée“ des Raumes, der ihn nicht nur vielschichtig, sondern vor allem differentiell im Sinne des französischen Wortes „différer“ als Aufschub bzw. Veraumzeitlichung werden läßt. Mein besonderes Interesse gilt dann den architektonischen und urbanistischen Umsetzungen dieser Einsicht, die sich vor allem mit den Modellen der Chora (statt Topos), der Grenze (als Delimitation), des Intervalls und der – sehr gut am Baumaterial des Glases aufzuzeigenden – Transparenz sowie des Ephemeren befaßt. Im Sinne einer interkulturellen „Interpenetration“ (so Kultermann über den Ansatz von Fenollosa) sind diese Entwicklungen vorwiegend durch die Begegnung mit der japanischen Tradition (und ihren ganz anderen Raum- und Zeitvorstellungen etwa des ma und mu) geprägt und umgesetzt worden, wie sich in den Theorien von Augustin Berque oder dem Konzept der ephemeren Stadt bei Toyo Ito zeigen läßt.
Ich werde diesen Bogen von Duchamps Konzeptualismus zur ephemeren Architektur eher locker terminologisch zu schlagen versuchen und dazu einige Beispiele zeigen. Es geht mir im Grunde genommen um eine Dekonstruktion der klassischen euklidschen Raumvorstellung, wie sie im neueren Städtebild bereits erreicht ist (der natürlich simile modo auch ein kinematographischer Raum ist).

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